Kein Unkraut an Loch 11!

Gartenfreunde müssen jetzt stark sein! Denn den perfekten Rasen – den gibt es wohl nur auf dem Golfplatz. Hofft jedenfalls Head-Greenkeeper Marco Junk aus Hillesheim. Bis die Spieler kommen…

Der Mann muss leiden können. Da hat Marco Junk alles perfekt gerichtet, grüner geht’s nicht auf den 70 Hektar der 18-Loch-Anlage des Golfclubs Eifel zwischen Hillesheim und Berndorf. Und dann: „Wenn  wir zum Beispiel mal wieder eine Deutsche Meisterschaft hatten, sieht der Platz danach aus wie umgepflügt!“

Perfektes Grün! Marco Junk bei finalen Arbeitsschritten auf der 18-Loch-Anlage des Gof Club Eifel.

Nicht Otto Normalgolfer schlägt die meisten Divouts genannten Löcher in den Rasen – nein die Könner sind’s! Und dann heißt es für Head-Greenkeeper Junk: Ausbessern. Für den Experten, der zugibt, „schon als Kind vom Rasen fasziniert“ gewesen zu sein, kein Problem. Auch das hat er in der umfangreichen dreijährigen Ausbildung an der DEULA, der Fachschule der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Kempen, gelernt. Mit dem Abschluss – vergleichbar dem Meister im Handwerk – darf er sich Fachagrarwirt Golfplatzpflege nennen. Ein „Platzwart“ ist das nicht.

Junk, seit 1999 Greenkeeper, seit 2006 Chef eines Teams, ist stolz darauf, dass „seine“ Anlage immer wieder von Spielern bei Rankings beste Bewertungen erhält.  „Wäre der Platz 50 Kilometer näher an Köln, hätten wir Wartelisten und das Gelände wäre eingezäunt“, so Junk. Gegen Schwarzspieler.

Vor Ort sieht man ihn zum Beispiel Rasen mähen. 60- bis 70.000 Euro teuer sind die Spindelmäher mit der 2,50 Meter Schnittbreite für den Profibedarf. Sie schneiden besonders tief zwecks Rasenverdichtung. 3,6 Millimeter kurz muss das Grün an den „Grüns“ direkt an den 18 Löchern des Platzparcours sein. Sie werden zwecks Spielablaufabwechslung wöchentlich neu gesetzt.

Nie ohne meine Handschere! Head-Greenkeeper Marco Junk.

Diese Rasenqualität ist schlicht nicht kopierbar. 

Zehn Millimeter lang darf es auf dem „Vorgrün“, 16 Millimeter auf den Spielbahnen („Fairways“), 38 bis 40 Millimeter die Kante zum Semi Rough  stehen, zehn Zentimeter hoch das Hard Rough. Letzteres kommt dem Begriff Wiese noch am nächsten. Sisyphos war ein glücklicher Mann: Und immer wieder den Rasen rauf, den Rasen runter. Auch die Übungsgrüns und die Flächen vor der Driving Range wollen selbstverständlich gepflegt sein. Marco Junk – der Sysiphos der Vulkaneifel.

An den Lochkanten wird es für den Perfektionisten zudem knifflig. Mit der Handschere werden die Ränder geschnitten. Drum herum wird das „Grün“ täglich gemäht und platt gewalzt: Die Erhöhung der Ballrollgeschwindigkeit auf des Golfers Heiligtum ist das Ziel:  „Je schneller, je besser“, so der Headgreenkeeper. Unkraut? Ausgeschlossen aufgrund der perfekt dichten Grasnarbe. Eher Rotwildspuren zwischen Loch 1 und 8 jenseits der Straße zwischen Hillesheim und Wiesbaum, unmittelbar im Wald.

Am Ende entscheidet schlicht das Wetter, wie „grün“ es wird und bleibt.

Alles Arbeiten, die teils täglich, teils wöchentlich nötig sind. Kann solcher Rasenglanz auch die eigene Wiese zieren? Junk raubt Illusionen: Von an die 340 verschiedenen Gräsersorten sind die Wenigsten – Billigware ist natürlich ein No-Go – geeignet. Eine Spezialmischung wie die Agrostis Stolonifera 007 ist etwa nur für die Grüns geeignet. Junk rät: „Achten sie auf zertifizierte RSM-Saatgutmischungen“. Dazu empfiehlt der Grünlandprofi Langzeitdünger, vertikutieren, nachsäen und besanden, ab und zu wird sein Grün zudem aerifiziert: Spezialmaschinen lockern den Rasen zwecks Sauerstoffzufuhr auf. Klar: Das Mähen nicht vergessen. Regelmäßig!

Am Ende entscheidet auch das Wetter, wie grün es wird. Marco Junk muss versuchen, das Beste draus zu machen. Und selbst wenn alles passt – des Golfplatzgrüns wie des Greenkeepers größter Freund wie Feind – ist der Spieler. Die Sorge hat man Zuhause wenigstens nicht.