Ruhe am Hotspot: der „Grafschaft-Pfad“

Manderscheid ist einer der touristischen Hotspots der Eifel. Die Doppelburgen, der „Vulkamaar-Pfad“, der „Deutschlands schönster Wanderweg 2021“ geworden ist, dazu der „Lieserpfad“ als wiederum ohnehin „Schönster Wanderweg Deutschlands“ (Manuel Andrack). Mehr Werbung braucht es hier wirklich nicht. Der „Grafschaft-Pfad“ startet zwar auch in Manderscheid – aber ist zum Glück noch eher unbekannt.

Start und Ziel: Die Niederburg.

Entsprechend überlaufen ist der „Lieserpfad“, der auf dem landschaftlich besonders schönen Abschnitt zwischen Manderscheid und Wittlich zudem auch teilweise Route des „Eifelsteigs“ ist.

Dennoch kann man selbst in dieser Ecke der Vulkaneifel Wanderwege entdecken, die nicht so überlaufen sind. Dazu gehört allerdings – wie sich zeigen wird – das richtige „Timing“.

Eine dieser Strecken ist der „Grafschaft-Pfad“, einer der „Vulkanpfade“, mit 14,2 Kilometer Länge und 357 Metern Höhenunterschied als mittelschwer einzustufen.

Barockkreuz in Niedermanderscheid, Schneeglöckchen vor Pantenburg, Bank mit Blick ins Liesertal auf dem Weg zum Aussichtspunkt Waidmannslust (auch unten).

Der Weg startet an der Manderscheider Niederburg und führt zunächst den Wald südwärts hinauf in Richtung des östlichen Ufers der Lieser, also gegenüber der viel begangenen Strecke des „Lieserpfades“. Es geht zunächst über einen Abstecher 800 Meer zum überdachten Aussichtspunkt „Waidmannslust“. Von hier aus hat man eine ungewohnte Perspektive auf die scharfe Biegung der Lieser an den Felsen in Höhe des Seitenarms des Burgweihers und zurück auf Manderscheid.

„Hühner Hilton“ bei Pantenburg.

Würde man jetzt der Wegmarkierung bergab folgen, wäre man keine 30 Minuten später wieder am Ausgangspunkt. Doch der „Grafschaft-Pfad“ dauert rund vier Stunden. So geht es nun zurück zur Abbiegung Richtung „Waidmannslust“ und hinauf durch Misch- und Buchenwald nach Pantenburg

Der Ort liegt auf der Hochfläche über dem Liesertal. Natürlich hat man am Ortsrand weite Blicke, aber zunächst den Nahblick auf das „Hühner Hilton“ auf Rädern, ein mobiler Hühnerstall, wie es sie in größerer, industriell gefertigter Variante in der Eifel mittlerweile öfter gibt. Zur ländlichen Idylle passen auch die Turmfalken, die knapp über den Dächern auf der Jagd sind und Rotmilane, die in etwas größerer Höhe ihre Kreise ziehen.

Am „Toni-Ließem-Weg“, und auf der Höhe über Laufeld.

Zunächst geht es in der Folge über offenes Land weiter leicht ansteigend, Wind ausgesetzt, Richtung Laufeld. Nach durchqueren eines kleinen Tals führt die zuverlässige Markierung wieder hinauf an einem von Hainbuchenhecken geschützten kleinen Marienhäuschen und der Wegkreuzung mit einem überregionalen Pilgerweg nach Trier vorbei, einem der zahlreichen „Eifelcaminos“, die letztlich in Santiago de Compostela enden.

Auf dem Weg zum Falbachtal

Hinter Laufeld ist es mit dem Wandern auf der Höhe vorbei, es geht schnell hinab in den Wald und ins Falbachtal. Der „Grafschaft-Pfad“ folgt dem stillen Bachtal bis zur Mündung in die Lieser und so bis zum „Lieserpfad“.

Im Falbachtal, Brücke über die Lieser, im Liesertal, Robertkanzel auf dem Lieserpfad.

Über eine Brücke wechselt man auf die andere Seite des Flüsschens. Beim Start an der Niederburg am späten Vormittag, kommt man an diese Stelle erst zu einem Zeitpunkt, zu dem der allergrößte Teil der Wanderer und Spaziergänger auf einem der bekanntesten Wanderwege der Eifel schon längst weiter Richtung Wittlich oder Manderscheid gezogen ist. Man hat den Trubel damit umgangen.

„Philosopheneck“ am Lieserpfad.

Der Lohn dieses „Manövers“ ist der ungestörte Eindruck des pittoresken Pfads auf dreiviertel Höhe über dem Flusstal. Ausgesetzte scharfe Kehren, mit Stahlseil gesicherte Passagen an steil abfallenden felsigen Hängen – der Pfad fasziniert tatsächlich immer wieder. Man passiert die bekannten Rasthütten, teilweise auf künstlichen Steinstützen direkt an den Fels gebaut, wie die „Robertkanzel“, die Hütte „Wiefelsjunk“, die ausgesetzte kleine Sitzbank am engen „Philosopheneck“, oder die Bänke auf geschwungenem Stahlrahmen auf der „Pellenzkanzel“, die wie aus dem Kurpark entwendet wirken.

Blick auf den Burgweiher, „Eifel: Lust auf Natur“ . Hinweisstein an der Pellenzkanzel.

Den Startpunkt erreicht man schließlich über einen rasanten Abstieg zum Burgweiher und weiter an der Lieser entlang, oder man folgt oberhalb dem „Lieserpfad“ bis zu dessen Beginn am Ortsausgang von Manderscheid. Dann bleibt man über dem Tal und hat kurz vor dem Ziel am kleinen Rastplatz „Biermannsruh“ zum ersten Mal den bekannten Doppelburgenblick.

Der lohnt – und ist bis zum Ortseingang von Manderscheid noch einige Male möglich. Über einen wilden steilen Serpentinenpfad gelangt man schließlich wieder ins Liesertal hinab zur Niederburg.

Auch eine schöne Runde: Der „Burgenstieg“, hier mit Blick auf die Oberburg von Manderscheid.

Titelbild: Auf dem Lieserpfad.