Felsenland

Wer Felsiges in der südlichen Eifel sucht, der macht gerne sofort den Sprung über die Sauer und in die Luxemburgische Schweiz. Das geht derzeit wegen der Beschränkungen durch Corona leider nicht. Diese rund 17,5 Kilometer lange Rundtour ab Ernzen entlang der Hangkante des Ferschweiler Plateaus diesseits des Grenzflusses ist aber mehr als ein Ersatz.

Wer als Eifel-Wander-Blogger auf sich hält, der ist die schönsten Wanderwege im „Felsenland Südeifel/Naturpark Südeifel“ und dem „NaturWanderPark delux“ schon lange gegangen, die sich immer wieder unterwegs begegnen. Alle Bilder sind gemacht und Online gestellt, wer kennt die „Teufelsschlucht“ im Wald oberhalb von Irrel denn nicht?

Der Felsenweiher bei Ernzen.

Tatsächlich kommt man auch auf dieser knapp fünfstündigen Rundtour am Hotspot „Teufelsschlucht“ nicht vorbei – aber erst nach rund eineinhalb Stunden. Zunächst geht es unterhalb von Ernzen auf dem Ferschweiler Plateau am  „Felsenweiher“, einem kuriosen, spätromantischen Areal mit künstlich angelegtem Tümpel, Grotten, Gemäuer, Brückchen und Stegen, vorbei und Richtung „Schweineställe“ – ein römischer Steinbruch -, der Gedenkstätte „Jegerkreuz“ und der „Schlösserlay“.

Die „Schweineställe“.

Lay meint ein Massiv aus Buntsandstein. Blöcke und Ketten entlang der südwestlichen Kante des Ferschweiler Plateaus sind auf dem „Felsenweg 6 – Teufelsschlucht“ ausreichend zu finden. Schon die Schlösserlay bietet da spektakuläres Theater: Hinter jeder Wegbiegung zeigen sich die aufragenden Wände, von Wind und Wasser aufgerissen, durchlöchert und zerklüftet, immer wieder anders. Es geht munter Stufen hinauf und hinab, immer direkt unterhalb des Massivs. Eine erste eindrucksvolle Passage, die einen Bachzulauf aufwärts unvermittelt mit dem Austritt aus dem Mischwald endet.

Auf dem Ferschweiler Plateau.

Der Blick geht jetzt frei, als wäre ein Vorhang aufgezogen, über die Hochebene des Plateaus. Durch Felder, auch mal einige hundert Meter schnurgerade, Ernzen und Ferschweiler liegen am Wegesrand, führt die Route zur Kreisstraße. Die Überführungsetappe endet wiederum am Waldrand, wo der Abstieg an die Hangkante und zur nächsten Felspassage wartet. Im Wald muss man bald auf eine Markierung links ab zum Höllbach achten!

Zunehmend werden es nun mehr Gleichgesinnte, die jetzt von den Irreler Wasserfällen hier hinauf gekommen sind. Neben anderen Wegezeichen, darunter auch das schon vertraute grüne Blatt des „Felsenweges“, weist ein roter gehörnter Kopf für den „Teufelspfad“ die Richtung: Ziel ist eine 28 Meter tiefe, hoch am Felshang gelegene Schucht.

Ein kleiner Durchschlupf an einem Felsen markiert den Beginn der spannendsten Passage. Nach einem Felskessel kommt man auf den schmalen Pfad wieder unmittelbar an den Fassaden der Sandsteinkolosse entlang geführt. Es geht vorbei an schmalen, schluchtartigen Einschniten, durch kleine Binnentäler zwischen den Wänden, manchmal ist der Weg labyrinthisch durch Felsbrocken verstellt und man muss die Gasse hindurch finden.

Zugang zur „Teufelsschlucht“

Der Zustieg zur Teufelsschlucht selbst ist nur über eine Treppe aus Sandsteinstufen möglich. Platz ist immer nur für eine Richtung. Dass der Teufel selbst für den 28 Meter hohen begehbaren Spalt zwischen glatten Felswänden verantwortlich war, davon war man Jahrhunderte lang überzeugt. Schließlich kommt man mit der Ursache zerstörerischer Wasserkraft zu keinem plausiblen Ergebnis, denn ein natürlicher Zufluss ist nicht vorhanden Heute geht man von einer Setzung infolge eines Erdbebens aus. Egal – beeindruckend ist die Schlucht im Fels am Hang so oder so.

In der „Teufelsschlucht“

Jetzt, nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke, ändert sich die Umgebung. Die Felsen treten langsam zurück, es geht durch Mischwald, aber immer noch an der Hangkante des Plateaus entlang: Zur Rechten blickt man durch Gebüsch auf Felder, gelb leuchtet der Besenginster; zur Linken geht es neben dem Weg schnell im Bergwald bergab.

Oberhalb von Echternacherbrück, kurz vor einem kurzen Anstieg zur Kuckuckslay, hat man dann einen ersten Blick  nach Luxemburg, hier auf die Heilig-Kreuz-Kapelle am Stadtrand von Echternach in mittlerer Entfernung im Tal.

Ganz Echternach im Sauertal zu Füßen, das ist rund 25 Minuten später die Perspektive von der Terrasse vor der Liboriuskapelle, die auch von Echternach – der gerade „Verbotenen Stadt“ – gut zu sehen ist. Von oben bekommt man einen guten Eindruck von der Größe der Abteianlage mit  Willibrordus-Basilika, Park zum Sauerufer und Pavillon. Unmittelbar hinter der Stadt enden die  dicht bewaldeten Ausläufer der „Luxemburgischen Schweiz“.

Weiter durch lichten Buchen- und Eichenwald beginnt nun langsam die „Schlusskurve“ dieses Rundweges. Eine dritte, kleinere Felsenpassage an Felsenlay und Stubenlay folgt, bevor ein breiter Waldwirtschaftsweg parallel eines sprudelnden Baches hinaus aus dem Gebiet und wieder zum Startpunkt führt.

Eine bemerkenswerte Runde voller intensiver Augenblicke und Eindrücke. Dieses Erlebnis im „Felsenland“ macht Lust auf mehr: Den „Müllerthal-Trail“ – wenn es dann wieder möglich ist.

Titelbild: Auf dem „Teufelspfad“.

Die Brücke an den Irreler Wasserfällen.