Jecke Eifel

Auch in der Eifel ist an diesen Wochenenden Karneval auf Kappen- oder Kostümsitzungen. „Alaaf!“ heißt es  dann aber längst nicht überall. Warum nicht? Was macht den Eifeler Karneval aus? Auf In die „jecke Eifel“.

Nicht Alaaf, schon gar nicht Helau: In Ulmen lautet der Karnevalsruf „Ölme Owwääh!“

„Öwwäh“ ist so etwas wie das „Amen“. Jedenfalls in Ulmen, und dann, wenn Karneval ist. Die Karnevalsgesellschaft Burgnarren Ulmen suchte bei der Vereinsgründung 1957 einen unverwechselbaren Karnevalsruf – „Alaaf“ oder „Helau“ auf keinen Fall. „Ölme öwwäh!“ Darauf  einigte man sich, wobei das erste Wort im Dialekt noch einfach auf den Ortsnamen Ulmen zurückzuführen ist – aber „Öwwäh“? Ein Schmerzlaut?

Helmut Schmitt von der KG grinst: „Nein, öwwäh wird im Ulmener Dialekt zur Bestätigung einer Aussage verwendet: „Öt ös janz schien kalt hout – öwwäh“. In Strohn – der Ort ist durch seine „Lavabombe“ bekannt – heißt es stattdessen „Strohna Hohna – Ei, Ei, Ei“.  Als „Hohna“ (Hühner) wurden die Strohner traditionell bezeichnet. Das dreifache „Ei“ nimmt den Bezug auf – die Steigerung, erst ein-, dann zwei-, dann dreimal, ist vergleichbar der „Rakete“ im Kölner Sitzungskarneval.

Die Eifel hat einige „unsichtbare Grenzen“. Auch im Karneval. Der Stippeföttche-Tanz ist zum Beispiel nur im nördlichen Teil des Kreises Euskirchen bei den großen Garden verbreitet. Die Hovener Jungkarnevalisten (HJK) aus Zülpich (Nordkreis) tanzen ihn mit Besuchern und der Tollität beim „Karnevalistischen Frühschoppen“ in Blankenheim (Südkreis).

„Neddeschem Wau, wau“, kommt es als Antwort nach dem Alaaf-Pendant selbstbewusst von der „KG Löstige Höndche“ in Nettersheim. Den wesentlicheren Unterschied macht aber, dass in der „Eifelgemeinde“ das Programm der Kostümsitzung fast ausschließlich aus eigenen Kräften bestückt werden kann. In die Bütt oder zum närrischen Zwiegespräch kommen Aktive aus den Dörfern der Gemeinde, Gardefunken hat man ebenfalls und auch die Live-Stimmungsmusik wird nicht zugekauft.

Björn Wassong aus Weyer mit seinem Kostüm für die Bütt als „Ne Jeck im Rään“.

Das ist ähnlich zum Beispiel in Marmagen, Herhahn, und auch in einigen Dörfern rund um Bitburg gute Tradition. Hier ist das Dorfleben Thema Nummer Eins auf der Narrenbühne. Doch vielerorts gilt: Ohne zugekaufte Auftritte externer Kräfte aus dem Großraum Köln oder aus Ostbelgien rund um St. Vith  kommt ein Sitzungsprogramm nicht zusammen.

Rolf Peter Hohn, 59 Jahre lang bis 2018  an der Spitze des Regionalverbands Düren (RVD) im Bund Deutscher Karneval – zuständig auch für den Altkreis Schleiden- ist besorgt „Die totale Kommerzialisierung ist eine große Gefahr für den Karneval speziell auf den Dörfern. Da geht der traditionelle Charakter verloren. Davor kann ich nur warnen! Es will doch keiner mehr auf dem Dorf was machen, wenn einfach Kölner Kräfte gebucht werden. Da leiden wir in der Region unter der Nähe zu Köln.“

Björn Wassong aus Mechernich-Weyer, Vorsitzender der „Weyerer Blömche“, unternimmt was dagegen. Der 36-Jährige ist seit elf Jahren als „Ne Jeck im Rään“ in der Bütt auf den Karnevalssitzungen im Eifelteil de Kreises Euskirchen. Schon als Sechsjähriger hat er in den „Blömche“-Kindersitzungen „gesungen und mich dann in die Bütt reingeredet“.

Rolf Peter Hohn.

Für ihn kennzeichnet den Eifeler Karneval Zweierlei: „Er ist eben noch nicht so kommerziell. Statt einer Flasche Wein für 80 Euro gibt es in der Sitzung den Kasten Bier für 30.  Zweitens freuen sich die Leute, dabei zu sein. Die Atmosphäre ist familiär, man kennt sich eben.“ Ein Drittes vielleicht ist eine gewisse Stimmungsanlaufschwäche: „Der Eifeler muss erst mal angekommen sein. Man muss ihn ein bisschen andäuen. Aber dann wird er locker und es gibt schließlich oft kein Halten mehr. Es geht über Tische und Bänke…“

Wassong hat Derbes und Zotiges in seinem Programm wie etwa auch Alexander Geimer in der Bütt in Dahlem nicht nötig. Kleine „Ausrutscher“ kommen mal vor, nun ja:  „Wenn man in der Bütt nicht die eigenen Säue durchs Dorf treibt, sondern die aus der Nachbarschaft, kriegt man sofort mehr Aufmerksamkeit!“ Zumal Wassong am Abend drauf es im Saal im Nachbardorf genauso hält.

Im auch in der Eifel immer populärer werdenden „Ballermann-Karneval“ gibt es kaum noch Redner auf der Bühne. Stattdessen Stimmungsmusik und Tanz. Volle Säle sind für die veranstaltenden Karnevalsvereine dann garantiert. Party machen – das bieten auch die „Löstige Höndche“ in Nettersheim an – aber nicht nur! Sonst ist das, was die „jecke Eifel“ ausmacht, in Gefahr.

Vorschau:
Teil 2: Ähzebär und Schelleböumche: Traditionelles im Eifeler Karneval. (18.02.)
Teil 3: Der Zochleiter (25.02.)