Das Wahrzeichen des Brohltals

Burg Olbrück ist von vielen Seiten zu sehen. Elf Orte gehörten einst zum Herrschaftsbereich, heute ist sie eine der Touristenattraktionen der Vulkanregion Laacher See.

146. Davon lässt sich Albert Schäfer nicht abbringen. Er sei die Stufen zur Wehrplatte, die heutige  Aussichtsebene des 34 Meter hohen Wohnturms der Burg Olbrück schließlich extra noch einmal mehr abgegangen. Dann stand für den fitten 86-Jährigen fest: Es sind 146. Ob nun der eine oder andere von der steinernen alten Wendeltreppe – natürlich aus Verteidigungsgründen rechtsdrehend – abgehende Absatz in einen der früheren Wohnräume auf vier Ebenen vergessen wurde oder nicht? Es ist ihm egal.

Ob wie hier vom Osteifelfernwanderweg, oder von der „Eifelleiter“: Der markante Wohnturm der Burg Olbrück ist fast immer im Blick, sobald man sich dem Brohltal nähert.

Mit der Gewissheit oder eben nicht ärgert ihn gerne Gerwig Kaese, wie Schäfer einer derjenigen, die in den vergangenen vier Jahren jeweils mehr als 1100 ehrenamtliche Stunden (Stand: Mitte November 2025) in die Sanierung von Mauerresten und die Begehbarmachung einiger Flächen des Burggeländes auf dem markanten Phonolithkegel investiert haben. „Das waren alleine 56 Paletten a 42 Sack Mörtel, die wir hier für Fugen und anderes mehr verarbeitet haben“, so Kaese.

Begehbar gemacht wurden Bereiche des einstigen großen Wohnhauses gegenüber dem Bergfried, der hier ein Wohnturm ist, die Reste von drei Stallungen wurden von Bewuchs befreit, Torbögen wurden gesichert, man kann die einstige Burgkapelle wieder besichtigen und viele Kleinigkeiten mehr. „Ich lege gerade den Burgbackes frei, so, dass es für die nächsten zehn Jahre hält“, grinst Gerwig Kaese an seiner jüngsten Baustelle.

Der Wohnturm war die letzte Zuflucht seiner Bewohner. Der Zugang war über Jahrhunderte über eine kleine Ziehbrücke von einem Wohngebäude gegenüber in den 2. Stock. Dort ist die kleine Eingangspforte bis heute zu sehen.

Er und Schäfer gehören streng genommen nicht zum 2010 gegründeten Förderverein Burg Olbrück, sondern zum rührigen „Mühlenteam“, das sich zwecks Sanierung einer alten Mühle gegründet hatte. Heute unterstützen sie die Bespielung einer der größten Burgruinen der Osteifel. Dafür kann der Förderverein neben Zeit der Ehrenamtlichen vor allen Dingen bis auf weiteres jede Menge finanzieller Unterstützung gut gebrauchen, meint Schatzmeisterin Jutta Dietz. Und so ist dieser Teil von „Burgorte der Eifel“ in erster Linie ein Gang auf eine Baustelle. „Für zehn, 20 Jahre ist hier jedenfalls noch genug zu tun“, meint Jutta Dietz.

Seit der Jahrtausendwende, als erhebliche Landesmittel in die seit Jahrzehnten erste große Grundsanierung des Areals, vor allen Dingen in die Nutzbarmachung des Wahrzeichens des Brohltals, des Wohnturms, gesteckt wurden, kamen verlässlich nur Zuwendungen von der Verbandsgemeinde Brohltal und dem Landkreis Ahrweiler. Die VG hat das Burggelände vom derzeitigen Besitzer gepachtet und damit auch die Verkehrswegepflicht. Für die Sanierung des Bergfrieds steuerte auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Gelder bei.

Aus den Plänen auf dem Burgberg ein Hotel zu bauen wurde nichts.

Vor der Großsanierung war selbst der Weg zur Burg unbefestigt, und der Zugang aufs Gelände selbst gesperrt: Lebensgefahr wegen bröckelnden Mauerwerks! Und das an einem Standort, der wegen seiner hervorragenden strategischen Lage schon seit den Kelten und Römern besiedelt und befestigt war. Erstmals nachgewiesen  ist die Burg Olbrück 1112 in einer Stiftungsurkunde der Abtei Maria Laach. Darin wird ein Burghardus de Orebruch erwähnt.

Über die Jahrhunderte wurde die Burg Olbrück zweimal zerstört und wiederaufgebaut – und war etwa im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts durch Kauf, Verpfändung, Heirat, Erbe und Übertragung  derart weit unter den verschiedensten Familien aufgeteilt, dass ein Überblick über die wahren Besitzverhältnisse fast unmöglich schien.

Vierhundert Jahre später war das Areal, das 1797 als Wohnsitz aufgegeben wurde, 1956 zunächst von einem Düsseldorfer Architekten gekauft worden, der es 2012 an einen slowakischen  Finanzberater veräußerte. Beide Eigentümer hatten die Idee einer großen Hotelanlage auf der Landmarke. Beide gaben die Pläne auf. Seit 1986 ist der Burgberg ohnehin Naturschutzgebiet.

Sie kümmern sich um den Erhalt einer der markantesten Burgruinen der Osteifel (von links): Jutta Dietz für den Förderverein, Renate Himmelstein und Johanna Schwarm für den Kräutergarten, Gerwig Kaese und Albert Schäfer vom „Mühlenteam“. Gerwig Kaese legt den alten Burgbackes frei. Blick auf die Reste des einstigen Wohnhauses der Burg Olbrück vom Wohnturm. Renate Himmelstein (links) und Johanna Schwarm betreuen den Kräutergarten.

Im 2. Obergeschoss des Wohnturms ist heute das Standesamt.

Gäbe es den rührigen Förderverein und die Verbandsgemeinde Brohltal nicht, wer weiß, ob Burg Olbrück nicht schon längst wieder gesperrt wäre. Stattdessen fanden hier viele Jahre regelmäßig Mittelaltermärkte und grandiose Halloween-Spektakel statt. Bis heute gibt es zwischen April und Oktober jeden ersten Sonntag im Monat eine Führung. Es werden Gruppenführungen und Schatzsuche angeboten. „Highligt ist sicher der Aufstieg in den Wohnturm“, so Fördervereinsschatzmeisterin Jutta Dietz. Im 2. Wohngeschoss ist eine Außenstelle des Standesamtes Niederzissen eingerichtet ist. Zwei Etagen höher kann man ein großes Burgmodell im Ausbauzustand des 18. Jahrhunderts besichtigen.

Von Ebene 2 – in rund acht Metern Höhe – ist auch eine schmale Türe zu sehen: Hier war der für die Burgbewohner im Angriffsfall sichere Zugang zum Wohnturm von einem Nebengebäude aus über eine hochziehbare Holzbrücke.

Das Rodder Maar, vom Wohnturm gesehen. Das Gewässer ist nicht vulkanischen Ursprungs, sondern entstand durch einen Meteoriteneinschlag.

Johanna Schwarm und Renate Himmelstein bevorzugen eher Tatsachen in Bodennähe. Auf die müssen sie gerade allerdings warten, denn ihr Kräutergarten an der inneren Burgmauer ist im Übergang zur Winterruhe. Der „Burg-Kräutergarten“ ist mehr als 50 Meter lang, mit vier bis fünf Meter tiefen Terrassen – und mutmaßlich uralt. „Er wurde erst um die Jahrtausendwende im Rahmen der Voruntersuchungen zur großen Burgsanierung wiederentdeckt“, so Johanna Schwarm.

Bei klarem Wetter kann man vom Wohnturm bis zum Kölner Dom sehen.

„Nur Petersilie und Schnittlauch finden sie hier nicht, sonst praktisch alles“, ist sie überzeugt. Darunter sei viel Nützliches für die Küche, aber– bei unsachgemäßem Gebrauch – auch Schädliches. Gefleckter Schierling und Sturmhaube sind giftig. Dazu kommen Pflanzen wie ein Mispelbaum oder der Diptam, der sich „bei großer Hitze selbst entzünden kann“, weiß Renate Himmelstein.

Von der Aussichtsebene des Wohnturms – der bekrönende Zinnenkranz wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgebaut – kann man auch den Kräutergarten unten auf dem Burggelände sehen. Vor allem aber geht der Blick weit über einige der elf Dörfer, die einmal zur direkten Herrschaft der Burg Olbrück gehörten hinweg und über das ganze Brohltal. Man kann das Rheintal und das Siebengebirge erkennen. Und bei klarem Wetter auch den Kölner Dom.

Der „Vulkan-Expreß“ fährt zwischen Brohl-Lützing und Engeln, hier am Bahnhof in Niederzissen.

Nach Westen sieht man die Hohe Acht, und, wieder näher am Burgberg, zwischen Oberzissen und Galenberg sind Passagen der Trasse der beliebten Brohltalbahn zu sehen. Der „Vulkan-Expreß“ windet sich von Brohl-Lützing hoch bis Engeln. Im letzten besonders steilen Drittel der Strecke ist die Burg Olbrück immer wieder für einige Zeit im Blick.

Von der Turmspitze ist auch die Brohltal-Brücke der A61 zu erkennen, von der aus man das Wahrzeichen wiederum gut sehen kann. Das hat, so Sarah Stein, Geschäftsführerin des Zweckverbands Ferienregion Laacher See, erfreuliche Folgen: „Viele der Gäste erzählen uns, dass sie schon oft am Brohltal vorbeigefahren sind. Nun wollen sie endlich einmal die Burg besuchen.“ (sli)

MARIA LAACH UND MEHR

Bei den Touristen, die jährlich im Gebiet des vor zehn Jahren gegründeten Zweckverbands Ferienregion Laacher See Urlaub machen, ist die Burg Olbrück zwar eine der Hauptattraktionen, doch nicht das Ziel Nummer 1. „Diese Rolle übernehmen eindeutig Maria Laach und der Laacher See – das Herzstück der Vulkanregion“, so Sarah Stein, Geschäftsführerin des vor zehn Jahren gegründeten Zweckverbands Ferienregion Laacher See. Der Verband vermarktet die Verbandsgemeinden, die den Laacher See umringen: die VG Brohltal aus dem Landkreis Ahrweiler und die VGs Pellenz und Mendig aus dem Landkreis Mayen-Koblenz.

Touristikerin Sarah Stein feiert Jubiläum: Sie ist Geschäftsführerin des Zweckverband Vulkanregion Laacher See, der vor zehn Jahren gegründet wurde.

Wer in diese Ecke der Eifel kommt, der besucht eben meist das altehrwürdige Kloster am Laacher See, staunt vielleicht in der berühmten Bibliothek, ganz sicher aber über die Abteikirche mit dem „Paradies“ und dem Altar, zum Teil bestehend aus Kalksinterplatten der „Römischen Wasserleitung“ in der Nordeifel.

Nach dem Klosterbesuch aber soll es nach Willen der Touristiker natürlich nicht nach Hause gehen. Immerhin weisen aktuelle Zahlen einer Studie aus dem Jahr 2023 für den gesamten Zweckverbandsbereich rund 2,6 Millionen Tagesgäste und rund 200.00 Übernachtungsgäste aus. Also bewirbt das Team im schmucken Pavillon der Tourist Information am Besucherparkplatz von Maria Laach das, was man auch noch machen kann: Burg Olbrück steht zwischen Ostern und Oktober an prominenter Stelle. Dazu kommt die Entdeckung der Langsamkeit bei einer Fahrt mit der Brohltalbahn, dem „Vulkan-Expreß“, zwischen Brohl-Lützing und Engeln. Vielleicht geht es dann auf der2015 eröffneten „Eifelleiter“ zurück, einem zertifizierten Premium-Wanderweg. E-Biker werden bald die neue „Basaltschleife“ (Start/Ziel in Mendig am „Lava Dome“) befahren können.

Für Tipps und Hilfe bei der Urlaubsgestaltung steht das Team der Vulkanregion Laacher See unterstützend zur Seite. Weitere 30 zertifizierte Gästeführer begleiten Gruppen durch die Vulkanregion, bei zuvor individuell ausgearbeiteten Führungen oder Pauschalprogrammen.

Empfehlenswert ist ein Abstecher zu den Trasshöhlen bei Burgbrohl, die auch über den „Vulkan-Expreß“ erreichbar sind, oder ein Spaziergang um das Rodder Maar bei Niederdürenbach, das keines ist, sondern nach neueren Untersuchungen Ergebnis eines Meteoriteneinschlags. Der „Lava Dome“ wiederum ist ohnehin bekannt. In Mendig geht es in große ehemalige Bier-Kühlhallen unter Tage. Der Riedener Waldsee oder das römische Bergwerk Meurin sind weitere Ausflugsadressen in der Vulkanregion Laacher See. (sli)

RUN AUF NEUBAUPLÄTZE

„Wir leben dort, wo andere Urlaub machen“, meint Peter Engels, Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Brohltal im Rathaus in Niederzissen. Und da gehört die gute Anbindung der 17 Ortsgemeinden durch die A61 und die B 412 dazu. In der 1970 gegründeten VG im Landkreis Ahrweiler gibt es für zuziehende Familien sieben Grundschulen, eine Förderschule und eine Realschule +. Drei Grundzentren mit Burgbrohl, Niederzissen und Kempenich, vor allem das Industriegebiet „Brohltal Ost/ A61“ sorgen für 5500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bei rund 18.700 Einwohnern, so Engels.

Zu den großen Arbeitgebern gehören die Heuft Gruppe, AKRO Plastic GmbH, Rhodius Mineralquellen und Getränke GmbH & Co. KG und die wolfcraft GmbH. Im Jahr 2026 werde zudem ZF Friedrichshafen den hochwassersensiblen Standort im Ahrtal aufgeben und sich ebenfalls in „Brohltal-Ost“ ansiedeln, kündigt der Wirtschaftsförderer an. Er rechne mit weiteren „200 Arbeitsplätzen.“

Dass die Mischung aus viel schöner Natur und vergleichsweise günstigen Preisen – etwa beim Grunderwerb – aufgeht, macht ein Blick auf die Verkaufslage in drei Neubaugebieten deutlich. In Königsfeld, Niederzissen und Wehr standen 137 Parzellen zur Verfügung. Standen, denn lediglich in Wehr, so Peter Engels, sind noch 17 Grundstücke zu haben.  (sli)

INFO
Burg Olbrück: brohltal-verwaltung.de/kultur-tourismus/burg-olbrueck/
Vulkanregion Laacher See: vulkanregion-laacher-see.de
Eifelleiter: eifelleiter.de
Brohltalbahn: vulkan-express.de

Titelbild: Wahrzeichen des Brohltals: Die Burg Olbrück auf dem Phonolitkegel. Foto: Vulkanregion Laacher See/ S. Mahlow