Zwischen Schloss und Feste

Rheinsteig im Doppelpack: Oberhalb des Neuwieder Beckens führt der Weg von Rengsdorf über Schloss Sayn und Bendorf zur Feste Ehrenbreitstein. Das ist das Ende des ersten Teils des Weitwanderweges.

Man muss diese 37 Kilometer nicht an einem Tag erwandern. Bei günstiger Witterung, es sollte auch nicht zu spät im Wanderjahr sein, kann es aber doch ein Vergnügen sein. Im Klartext also zehn Stunden auf der Strecke und rund 1300 Höhenmeter. Ehrlich gesagt war der Wanderer am Ende dieses „Doppelpacks“ redlich fix und fertig und gönnte sich zum Schluss einen besonderen Luxus. Doch dazu später.

Die Doppeletappe beginnt im Oberdorf von Rengsdorf. Gleich hinter den Häusern startet ein Trampelpfad, der eine gewisse Zeit lang durch Laubwald führt und schließlich zum Aussichtspunkt auf der Nonnenlay. Auf diesen Kilometern ist der Rheinsteig ab und zu auch der Westerwaldsteig und für einige hundert Meter zudem die Route des „Klosterweges“, der an der St. Kastor-Kapelle in Rengsdorf beginnt und nach Waldbreitbach führt.

Blick von der Nonnenlay in den Westerwald oberhalb von Rengsdorf

Ein erster kürzerer Anstieg führt hinauf zum Alteck und dem Nachbau eines römischen Limesturms bei Oberbieber. Der entsprechende Wanderweg, die „Limes-Straße“, beginnt unweit und führt bis hinter Ingolstadt. Die Häufung der Markierungsschilder führt da schon mal zu einem kleinen Schilderwald im Wald.

Ein erster weiter Blick von der Ruine der Burg Sayn ins Neuwieder Becken – doch das wird noch besser…

Diese Etappe ist alles in allem über weite Strecken zunächst unspektakulär. Doch dann geht es hinab nach Sayn und der Charakter der Route ändert sich. Vom nach englischem Vorbild im 19. Jahrhundert von Heinrich Siesmayer  gestalteten Landschaftspark gegenüber dem Burgberg in Sayn und vis a vis des neogotischen Neuen Schlosses mit dem markanten Schaugiebel geht es auf steilem Pfad – hier läuft der Traumpfad „Saynsteig“ parallel – hinauf zur Ruine der alten Burg Sayn auf einem Felssattel. Oben angekommen hat man einen beeindruckenden Rundblick ins Neuwieder Becken. Das wird im weiteren Wegeverlauf noch besser werden!

Viadukt der Brexbachtalbahn.

Streckenweise ebenso steil führt der Weg danach wieder hinab und so 100 Höhenmeter später ins Brexbachtal. Die Route unterquert kurz einen Viadukt der „Brex“, der Brexbachtalbahn (eine Mitfahrt wert). Unmittelbar danach wird es schweißtreibend: Der Weg führt steil bergauf zum Schöll, streckenweise ein enger Serpentinenpfad. Hier geht es ausweislich der Wegemarkierungen nach „ROM“.

Des Rätsels Lösung tut sich unvermittelt bei Erreichen der Höhe und dem Austritt aus dem Bergwald auf: Holzpalisaden, ein Graben, ein Wall, ein wuchtiger dreigeschossiger Turm: Hier wurde ebenfalls ein Wachturm und die Befestigungsanlagen des römischen Limes am Originalplatz rekonstruiert. „ROM“ weist die Passage hierhin als Weg zum Nachbau römischen Baudenkmäler aus.

Die Örtlichkeit wurde von den antiken Planern strategisch gut gewählt: Von hier aus geht der Blick weit hinab erst über den Felssporn mit der Burg Sayn, dann ins Neuwieder Becken, den Rheinbogen bis zu den Kegeln des Vulkanparks in der Osteifel. Im Fall einer Bedrohungslage an den Genzbauwerken waren Warnfeuer von hier oben weithin sichtbar.

Entspannt schlendert man danach am Waldrand entlang, dann zwischen Feldern, der phänomenale Rheintalblick ist die lohnende Zugabe.

Die Passage oberhalb von Bendorf ist ernüchternd, doch zu Glück nicht allzu lang.

So schön und abwechslungsreich diese Passage war, die Strecke weiter und um Bendorf herum ist ernüchternd. Es geht durch Felder, an wilden unbebauten Grundstücken der Ortsrandbebauung entlang, dann durch eine Unterführung unter der A 48 weiter. Die Autobahn hat sich hier gerade den Anstieg aus dem Rheintal hoch zum Westerwald emporgewunden.

Blick ins Neuwieder Becken mit Siebengebirge (Bild: Frühjahr 2020).

Umso erfreulicher ist kurze Zeit später die Pausenstation auf der Terrasse der  bekannten Ausflugsgaststätte „Wüstenhof“. Unbemerkt ist man dem Rhein wieder ein gutes Stück nähergekommen. Hatte man zuvor, auf der Höhe über Bendorf, noch einmal einen letzten Blick in Richtung Eifelhöhen werfen können und sogar bis zum Siebengebirge, fällt der Blick rheinaufwärts nun erstmals auf Koblenzer Stadteile,  die Feste Ehrenbreitstein auf ihrem Plateau und den Sendemast Koblenz, schon jenseits der Stadt auf dem 382 Meter hohen Kühlkopf, einem Ausläufer des Hunsrücks.

 

Vallendar und Urbar sind noch zwei weitere Orte vor dem Erreichen der Feste Ehrenbreitstein. Vallendar ist bekannt als geistliches Zentrum der internationalen Schönstattbewegung und Sitz der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Hinter Urbar, wenig später, geht es dann zum letzten Mal am Ende eines langen Wandertages hinauf. Mühsam ist der lange Anstieg nach Neudorf, über die Straßen eines Neubaugebietes geht es immer noch weiter nach oben.

Nach zehn Stunden: herabschweben mit der Buga-Seitlbahn.

Doch dann ist man unvermutet schon am Zugang zur weiten Hochfläche oberhalb von Ehrenbreitstein. Die riesigen Fortifikationen der preußischen Bastion waren an diesem Tag Corona-bedingt leider geschlossen. Offen aber war die zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz gebaute Seilbahn. Und so ging es entspannt schwebend hinab ans jenseitige Rheinufer, mit freiem Blick aufs „Deutsche Eck“ an der Moselmündung. Das schien irgendwie angemessen.

Feste Ehrenbreitstein von der Koblenzer Rheinseite am „Deutschen Eck“ gesehen.

Auf dem Weg zum Bahnhof von Koblenz, am Rheinufer entlang, passiert man die ersten Rheinkilometersteine des UNESCO-Welterbes „Oberes Mittelrheintal“. Das wird, wiederum auf dem rechten Rheinufer im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein beginnend, der Start des zweiten Teils des Rheinsteigs sein. Manche sagen: Jetzt geht er erst richtig los.

Rheinkilometerstein am Beginn des UNESCO-Weltkulturerbes „Oberes Mittelrheintal“.

Titelbild: Schloss Sayn (Aufnahme: Frühjahr 2020).