Weißt Du, wo die Kräuter stehn?

41,5 Kilometer lang ist der „Kräuterpfad“ zwischen Nettersheim und Bad Münstereifel. Die „Königsetappe“ der neuen „EifelSpuren“ in der Nordeifel. Ist der Titel verdient?

Respekt, wer’s an einem Tag schafft! So locken die Veranstalter des „Kräuterpfades“ unweit des Naturzentrums von Nettersheim, dem Start- und Zielpunkt der 41,5 Kilometer langen „Königsetappe“ unter den neuen „EifelSpuren“ in der Nordeifel die Wanderfreunde auf die Strecke. Der Weg ist mit Abstand der längste im Angebot, doch wirklich neu, wie es die Macher bei den „EifelSpuren“ versprechen, ist er nicht.

Start am Naturzentrum in Nettersheim

Man hat es sich vielmehr einfach gemacht und die schon vorhandene südöstlichere Route von Nettersheim nach Bad Münstereifel, das ist der alte „Eifeler Kräuterpfad“, um einen nordwestlichen „Rückweg“ verdoppelt und alles neu markiert.

Welche Routenalternative nun die schönere ist? Hier wurde, entgegen der Empfehlung der Autoren in der schmalen „EifelSpuren“-Broschüre, die Strecke südwestlich um Pesch, das ist der alte „Eifeler Kräuterpfad“, für den Start ausgewählt.

Die Wanderhütte „Fuchshecke“ im Zingsheimer Wald.

Auf ihn bezieht sich auch die in diesem Fall sinnvolle verfügbare Wanderkarte, die wesentliche Standorte von heimischen Wild- und Heilkräutern unterwegs markiert, und in teilweise launigen Texten beschreibt (erhältlich im Naturzentrum in Nettersheim). Aber Vorsicht: Einige der Pflanzen stehen unter Schutz, man darf sie allenfalls für den Eigenbedarf pflücken!

Der „Heidentempel“ oberhalb von Pesch (im Uhrzeigersinn), im Horntal, auf der Höhe oberhalb des Tönnesforsts, Bad Münstereifel Altstadt, Stiftskirche St. Donatus.

Wer jetzt weiß, welches Blattgrün für welche Wildpflanze steht, ist eindeutig im „Wandergenuss-Vorteil“. Der „Giersch“ etwa war zwar einerseits Titel gebend für ein preisgekröntes Gedicht von Lars Wagner (Leipziger Buchpreis 2015), ist aber vor allem Hobbygärtners Lieblingsfeind: Keiner wuchert schöner und unbelastet von irgendwelchen Fressfeinden wie der Gemeinen Schnecke. Aber es gibt eben auch Giersch-Auflauf, Giersch in Gemüsesuppe oder Giersch-Limonade. Wer hätte das dem gelegentlichen „Wanderbegleiter“ am Wegesrand zugetraut? Hier gibt es Rezepte der „Eifeler Wildkräuterküche“.

Blick auf Eschweller.

Markiert in der gedruckten Begleitübersicht sind aber auch Standorte des Fingerhuts, dessen heilkundliche Wirkung gegen Geschwüre seit dem Mittelalter bekannt ist, des „Kleinen Wiesenknopfs“, des Schwarzen Holunders, des „Echten Nelkenwurz“, von Waldmeister, Wiesenlabkraut oder Echtem Johanniskraut. Letzteres bildet aus den Blüten ein Rotöl, das einst als „allerfeinstes Wundöl“ gegolten habe, heißt es in den Texten des Autors der erwähnten Wanderkarte.

So weit genug Wanderwegbeschreibungslyrik, Wandern ist schließlich auf der Strecke. Und da muss man feststellen, dass der „Kräuterpfad“ zwei ganz unterschiedliche Charakteristiken hat.


Abwechslungsreich ist der Weg bergab von Nettersheim. Zunächst geht es bald an den Resten eines kleineren römischen Umgangstempels vorbei, dann durch den Zingsheimer Wald hinab zur Wespelquelle bei Pesch. Dann wartet wieder Römisches an der Strecke: Die große römische Tempelanlage mit Matronenheiligtum auf einer Kuppe im Wald zwischen Pesch und Nöthen ist ein bekanntes Ausflugsziel. Ein Umgangstempel, ein Kulthof und eine Basilika (Bauzeit bis in das 4. Jahrhundert) wurden entdeckt.Das Opfer- und Weiheareal war einst von einer Mauer eingefriedet.

Der Weg führt in der Folge zunächst aufwärts durch das idyllische Horntal, dann durch Wald zu Offenland, schließlich hinab durch den Tönnesbusch nach Bad Münstereifel in Höhe des Eifelbades gegenüber dem Eselsberg. Die Kurstadt, genauer das heutige Outlet-Center der Altstadt, wird durch das Johannistor und von der Burg herab kommend erreicht.

Die Wespelquelle.

So vielseitig und von der Routenführung gelungen die erste Hälfte des „Kräuterpfads“ begann, so ernüchternd ist am Ende das letzte Drittel des Rückwegs nach Nettersheim, wie sich noch zeigen wird. Zunächst aber konzentriert man sich auf den steilen Aufstieg aus dem Kurort im Erfttal heraus und den Uhlenberg hinauf. Es folgt eine entspannte Passage entlang des Tals des Eschweiler Bachs, hier ist auch ein Geologischer Lehrpfad angelegt. Auch Nöthen und Gilsdorf sind reizvolle Etappenziele.

Direkt am Ortsausgang von Gilsdorf beginnt allerdings eine sich in die Länge ziehende Rampe durch Heidelandschaft schließlich auf die windige Höhe. Von hier lohnt der Blick zurück: Er geht weit über die nördlichen Eifelausläufer bis ins Rheintal.

Kirchberg in Nettersheim.

Nur kurz ist es in der Folge bei der Gemarkung Hardt etwas flacher, dann geht es zunächst unter der A1 hindurch – beim Start führte bei Zingsheim eine Brücke über den „Eifel-Highway“ – und nun wieder immer wieder hinauf: Gut eineinhalb Stunden ein monotoner Zick-Zack-Kurs an Feldern vorbei, Kuppen oberhalb von Weyer hinauf und hinunter. Schließlich, unterhalb des Willenbergs, führt ein Feldweg durch das Rosental herab ins Urfttal. Das prosaische Ende des „Kräuterpfads“ – und von 694 Höhenmetern – ist nach rund zehn Stunden eine asphaltierte Straße, die nach Nettersheim führt.

Fazit: Diese 41,5 Kilometer hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Nimmt man die Streckenlänge als Kriterium einer „Königsetappe“, dann geht die Rechnung geht auf. Bei der Sinnhaftigkeit dieser großen Schleife aber bleiben doch Fragen offen.

Titelbild: Blick auf den Astropeiler auf dem Stockert und Nöthen.

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