Der Weg zum Urpferdchen

Der VulkaMaar-Pfad zwischen Manderscheid und Meerfelder Maar führt zu einigen der schönsten Plätze der Vulkaneifel. Am Ende geht es in ein ursprünglich als Fest- und Turnhalle gebautes Museum im Bauhausstil: Im „Maarmuseum“ ist das Eckfelder Urpferdchen das bekannteste Exponat.

Mit Blick auf die Nieder- und Oberburg beginnt diese abwechslungsreiche, stellenweise spektakuläre 27 Kilometer lange Runde, die sich wenn möglich als 1-Tages-Tour empfiehlt. Und gleich beim Start wird‘s historisch. Denn die sich im Tal zwischen den beiden Felsspornen mit den Ruinen windende Lieser markierte einst eine seit dem Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert wichtige Herrschaftsgrenze: Die Oberburg gehörte zum Bistum Trier, die mächtigere Niederburg, Sitz des bedeutenden Eifeler Grafengeschlechts von Manderscheid, aber war schon Luxemburger Gebiet. Man kann sich vorstellen, wie sich die Türmer von den so nahe beieinander stehenden, schroff zum Eifelflüsschen abfallenden Burgfelsen beäugten.

Die Manderscheider Burgen im ersten Licht des Tages.

Über einen schmalen Felssattel, am Aussichtspavillon „Kaisertempelchen“ vorbei, kann man die Oberburg erkunden, kurz vor dem Burgberg führt ein steiler Pfad hinab zur „Turnierwiese“ an der Niederburg im Liesertal.

Auf dem vermutlich schönsten Teilstück des bekannten „Lieserpfads“, der von Daun kommend an Manderscheid vorbei nach Wittlich führt, beginnt jetzt der VulkaMaar-Pfad. Ob der „Lieserpfad“ „Deutschlands schönster Wanderweg“ ist, sei mal dahin gestellt, aber in diesem pfadigen Teilstück am Hang entlang in großer Höhe über dem engen, tief eingeschnitttenen Tal des Eifelflüsschens gibt es doch ein paar schöne Aussichtspunkte, ausgesetzte Kehren und garantiert keinen Trubel, wenn man früh am Morgen unterwegs ist.

Am „Philosopheneck“ auf dem „Lieserpfad“.

Hinter dem „Philosopheneck“ verlässt der VulkaMaar-Pfad bald die beliebte Route und macht einen ersten Richtungswechsel. Es geht hinab zur Kleinen Kyll, die über die „Germanenbrücke“ in Richtung „Wolfsschlucht“ überquert wird. Neben den bekannte Wegezeichen – dem des Pfades, des Eifelvereinhauptwanderweges, lokalen Runden – ist in jüngster Zeit für einige hundert Meter ein weiteres dazu gekommen: ein „Achtsamkeitspfad“.

Die „Wolfsschlucht“ ist ein schwer zu passierender Felsgeröllhang mit nur einem Ausgang – für intelligente Hetzjäger wie Wölfe, die hier einst heimisch waren, die ideale Falle für jede Art von Beutewild. Durch die Steine führt eine Brücke über einen derzeit ausgetrockneten Zulauf zur Kleinen Kyll aus der Schlucht hinaus.

Dem Zauber der Idylle am Windsborner Katersee kann man sich nicht entziehen.

Zu ersten Mal öffnet sich nun der Blick und geht zum Mosenberg, dem nächsten Etappenziel, also wieder aufwärts. Im einstigen Vulkankrater ist der „Vulkanerlebnispark Mosenberg“ angelegt, mitten hindurch geht der Pfad und am gegenüberliegenden Hang über Vulkanasche hoch zu einem schönen Aussichtspavillon auf der Waldkuppe. Auf ausführlichen Infotafeln und anhand verschiedener Vulkangesteinexemplare werden zuvor die Unterschiede zwischen Basalt, Bims, Trass, Tuff und Schweissschlacke erläutert, „Lavabomben“ gehören ebenfalls dazu. Krude Schlackenformationen werden auch auf dem Weg zur nächsten Attraktion dieses bis hierhin schon bemerkenswerten Weges passiert.

Der Windsborner Kratersee gilt als schönster Vulkansee der Eifel. Dem Zauber dieser Idylle im Wald kann man sich kaum entziehen. Bunte Libellen umschwirren den Besucher, der auf einem der Stege, die zum Wasser führen, in der Waldseestille eine Pause macht.

Blick vom „Landesblick“ auf Meerfeld und das Maar. Im Hintergrund der Mosenberg.

Durch Bettenfeld und ein schönes Tal hinab wird das nächste, ungleich größere Gewässer vulkanischen Ursprungs erreicht: Das Meerfelder Maar ist halb verlandet, Weiden und Wiesen erstrecken sich vor dem gleichnamigen Ferienort. Von hier aus führt der Weg eigentlich in nördlicher Richtung hoch zum Aussichtsturm „Landesblick“. Die Wegepaten der örtlichen Eifelvereinortsgruppe empfehlen aber eine schönere, sanft durch den Laubwald ansteigende Route gegen den Uhrzeigersinn, also von der südlichen Seite.

Versteppte Landschaft: Das Plateau des „Landesblicks“.

Oben angekommen reicht der Blick bei klarer Sicht bis zu Windkraftanlagen bei Morbach im Hunsrück, das ist immerhin rund 60 Kilometer entfernt. Näher sind von hier oben die erheblichen Trockenschäden nach nun drei zu trockenen Sommern in den Mischwaldhängen rund um das Meerfelder Maar, oder angesichts kahl-brauner versteppter Wiesen direkt auf dem Plateau des „Landesblicks“ unübersehbar.

Erneut ändert der Weg seinen Charakter: Es geht in den Wald hinab und ins Tal der Kleinen Kyll.

Erneut ändert der VulkanMaar-Pfad nun seinen Charakter. Es geht hinab in den Wald und ins Tal der Kleinen Kyll an der Bleckhausener Mühle. Dem romantischen kleinen Tal entlang geht der Weg an Viehweiden vorbei, schließlich wieder hinauf und jenseits der Landesstraße in schönen Mischwald. Vor den beiden Senken Erloch und Oberloch überraschen Wildorchideenbestände am Wegesrand.

Wildorchideen am Wegesrand.

Manderscheid erreicht man über die Straße „Kyllblick“ und dann über die Mosenbergstraße, die direkt am Gebäude des Maarmuseums vorbeiführt. Es ist eine von vier Schausammlungen, die sich dem Vulkanismus und der turbulenten Erdgeschichte der Eifel im Landkreis Vulkaneifel widmen. Weitere Museen sind das kooperierende „Vulkanhaus Strohn“, das „Eifel-Vulkanmuseum“ in Daun und das Naturkundemuseum in Gerolstein.

Hier aber, in einer 1927 in einer Mischung aus expressionistischer und Bauhausarchitektur erbauten ehemaligen Fest- und Turnhalle, ist der Vulkanismus zwar ebenfalls Thema, aber nicht die Besucherattraktion Nummer 1. „Viele kommen wegen des Urpferdchens“, schmunzelt Museumsleiter Dr. Martin Koziol.

Das „Eckfelder Urpferdchen“ im Maarmuseum Manderscheid.

Das fast vollständig erhaltene Skelett einer etwa 45 Millionen Jahre alten trächtigen Stute ist nur eines von zahlreichen Funden aus dem naheliegenden Eckfelder Maar. Im „Eckfeld-Kabinett“ ist neben Krokodil-Kiefern und verschiedenen Insekten auch die älteste Honigbiene der Welt zu bestaunen

An der Museumskasse ist die „Vulkanologische Karte West- und Hocheifel“ im Maßstab von 1:50.000 erhältlich. Schaut man dort die abgegangene Runde nach, wird klar: Wer in der Vulkaneifel Kraterseen, Maare, Schlackenkegel oder Tuffringe sehen will, der hat nach dieser sehr zu empfehlenden gut siebenstündigen Route gerade einen Vorgeschmack bekommen.

Titelbild: Windsborner Kratersee