Burgromantik und Sündentempelchen

„Auf den Spuren der Raubritter“ ist eine der 18 „Eifelspuren“, der ehrgeizige, ganz neue Teil der „Wanderwelt der Zukunft“ in der Nordeifel des Kreises Euskirchen. 13,4 Kilometer haben es teilweise in sich.

Die 18 „Eifelspuren“ wurden wie auch die Runde „Auf den Spuren der Raubritter“ auf zum Teil ganz neuen Wegen gelegt wurden, oder verbinden erstmals vorhandene Wege zu einem neuen Rundkurs. Im Falle der Ortsvereine Hellenthal und Reifferscheid, die für diese „Eifelspur“ verantwortlich zeichnen, ist das Konzept aufgegangen, in anderen Fällen ist das leider nicht der Fall.

Doch rund um Reifferscheid weiß man, was wandern heißt: Hier geht es auf einer gut vier Stunden langen Tour über 13,4 Kilometer. Ausgangs- und Zielpunkt ist der Burgort Reifferscheid, den Manche mindestens so schön finden wie das ungleich bekanntere südlicher gelegene Kronenburg oberhalb des gleichnamigen Sees in der Gemeinde Dahlem. Die Besichtigungsrunde folgt nach Absolvierung der Strecke.

Am Fuß des Reifferscheider Burgbergs.

Geht man sie gegen den Uhrzeigersinn, startet die Route über absteigende Serpentinen rund um den Burgberg und vorbei am „Gröttchen“ am Fuße schnell nach Querung der Landesstraße mit einem ersten steilen Anstieg den Hohleberg hinauf. Das ist ein wach machender Beginn und bei weitem nicht der letzte steile Weg hinauf wie sich zeigen wird.

Oben angekommen, vorbei an Wiesen und Weiden, geht der Blick weit über die Höhen zwischen Hellenthal und dem „Ländchen“, wie die Dörfer und Gemarkungen rund um die Wildenburg heißen. Hier ist die Eifel wellig, teilweise fast schon schluchtartig und waldreich.

Die „Burgwüstung Altenburg“ ist später an der Gemarkung im Fichtenwald unterhalb von Wollenberg heute auf Anhieb nicht mehr zu erkennen, doch eine Informationstafel erklärt die Örtlichkeit und zeigt Abbildungen von mittelalterlichen Funden. Die Burg war einst von drei steilen Seiten des Felssporns uneinnehmbar, die vierte schützte ein tiefer Graben. Der Weg führt hier hindurch und dann steil bergab.

Oberhalb von Blumenthal.

Erneut geht es danach hinauf, dieses Mal auf den Kühberg, dann, immer weiter durch dichten Wald, wieder hinab zu den ersten Häusern von Blumenthal. Unscheinbar knickt der Weg nach erneutem Überqueren der Landesstraße rechts ab, es geht eng am Reifferscheiderbach entlang. Hier trifft die „Eifelspur“ bald auf den alten „Geologisch-Montanhistorischen Lehr- und Wanderpfad“ der Gemeinde Hellenthal. Zwei ehemalige, heute versperrte Stollen zu Erzabbaustellen werden passiert. Ein geschickter Trick der Wegeplaner, so die wenigen hundert Meter bis Blumenthal zu überbrücken. Alternativ wäre es entlang der Landestraße in den Ort gegangen.

Am Olefufer ist auch die Gedenkstätte für die ehemalige Synagoge des von Blumenthal.

„Im Fuchsloch“ heißt stattdessen die alte Gasse durch die man nach Blumenthal kommt, das historische Reidtmeisterhaus ist fast vis a vis. Es steht am Rande des alten Ortszentrums mit der schönen Pfarrkirche am Olefufer. Hier biegt die „Eifelspur“ rechts ab, vorbei an der Gedenkstätte für die ehemalige Synagoge des Ortes unmittelbar an der Bahntrasse der Flitsch. Nur wenige Meter weiter wartet schon der nächste steile, nur kurz vom Aussichtspunkt mit einem großen Kreuz unterbrochene, lange Anstieg auf den Kirchenberg.

Ziel ist jetzt Hellenthal, das entlang der Olef schnell erreicht wäre. Doch stattdessen führt der Weg auf der Höhe im  großen Bogen, schließlich, nach einer Kehre, bergab zu einem kleinen Wanderhüttenwunder: Das „Sündentempelchen“ des Wanderclub „Eifel-Glück“ Hellenthal ’81 steht auf einem kleinen Felsplateau mit durch Bäume halb verstellten Ausblick auf den Ort.  Die offene Konstruktion ist mit Bänken und einem runden Ablagetisch in der Mitte möbliert. Geweihe hängen zur Dekoration an den Holzwänden, viele Memorabilien, dazu Fotos offenbar aus der Geschichte des Wanderclubs und des Ortes: Auf einem alten Schwarz-Weiß Foto staunt ein Polizist über einen hochkant auf der vorderen Stoßstange stehenden PKW vor einem Geschäftslokal.

Paul-Josef Schmülling von der Ortsgruppe Reifferscheid des Eifelvereins kennt die Geschichte des „Sündentempelchens“: „Das wurde in den 30-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Junggesellen aus Kirchseiffen, des damaligen noch selbständigen Ortsteils von Hellenthal errichtet. Der Wanderclub von Hellenthal hat das Gebäude seit Jahren unter seine ‚Fittiche‘ genommen“. Diese „Weihestätte“ auf der „Eifelspur“ ist dann doch die vermutlich schönste Wanderhütte der Eifel. Den Titel trug bisher die Hütte am „Brotpfad“ oberhalb von Blankenheim.

Unterhalb des Zusammenflusses von Olef und Patissbach in Hellenthal.

In Hellenthal ist der kleine Erholungs- und Fitnesspark am Olefufer, unterhalb des Zusammenflusses mit dem Platißbach, das nächste Etappenziel. Parallel der Haupteinkaufsstraße des Ortes geht es später am Rathaus vorbei wieder aus dem Ort hinaus und über Kirchseiffen erst langsam, dann steiler werdend hinauf zum nächsten Anstieg. Hinter den letzten Häusern muss man auf die Abzweigung zum Züngesbenden achten, sonst heißt es weiter und noch ein bisschen steiler hoch bis nach Hönningen.

Blick auf den Burgfried von Reifferscheid.

Doch von hier aus ist es dann nur noch ein entspanntes Schlendern die Kreisstraße hinab nach Reifferscheid. Der weithin sichtbare weiß gekälkte wuchtige Bergfried weist ohnehin den Weg. Durch das Matthiastor betritt man den Burgort. Vorbei an den einstigen Stallungen – ein Teil der Gebäude stammt aus dem 12. Jahrhundert – sowie der „Vorburg“, das heute Standesamt der Gemeinde Hellenthal ist, ist das „Café Eulenspiegel“ eigentlich Ziel der Wanderung. Wegen der Beschränkungen der Corona-Pandemie ist der Gastraum geschlossen. Wer die kleine Glocke am Eingang läutet, erhält Speis und Trank zum Verzehr auf der urigen Terrasse unterhalb des Burghofes.

Hier hat man die „Spur der Raubritter“ gefunden, auch wenn die Gemäuer stark zerstört wurden. Außerhalb des einstigen direkten Herrschaftsbereiches gibt es in den unterhalb der „Vorburg“ gelegenen engen Gassen des bürgerlichen Quartiers genug anderes zu entdecken:

Da wäre die schön ausgestattete Pfarrkirche St. Matthias, im Wesentlichen ein Werk der Spätgotik.  Davor ist der kleine Marktplatz mit dem unter Schatten spendenden Laub sprudelnden Brunnen. Von hier biegt das kleine Marktgässchen ab, unterhalb führt die „In der Freiheit“ weiter, an Fachwerkbauten vorbei geht es schließlich zurück zum Matthiastor.

Reifferscheids Reize in Gänze erlebt man allerdings am besten von außen und in den Abendstunden: Wenn die von den Blick störendem Gehölz frei geräumte einzigartige Burgort-Skyline von LED-Scheinwerfern angestrahlt wird. Am Schönsten zum alljährlichen Weihnachtsmarkt.

Titelbild: Das Sündentempelchen

Skyline: Der Burgort Reifferscheid.