Die „Bleidenberger Ausblicke“

ACHTUNG: Auf Bitten der zuständigen Kreisverwaltung empfiehlt Eifelschreiber diesen Weg erst nach Aufhebung der allgemeinen Kontaktbeschränkungen im Zuge der Coronapandemie zu gehen!

Der Einstieg in Oberfell

Dieser rund vierstündige „Traumpfad“ hat es in sich. Keine 100 Meter hinter der Pfarrkirche von Oberfell geht es steil bis sehr steil durch die Weinberge hinauf – ein munterer Einstieg, über den man nach rund 25 Minuten die Höhe erreicht hat. Jetzt wird es sanfter ansteigend, dann eben, die Hütte am „Dickenberg“ ist die erste Pausenstation. Und hier ist auch schon der erste Weitblick die Belohnung für vorherige Wegstrapazen: Der Blick geht weit über das Moseltal in die Osteifel und die Vulkanberge oberhalb von Mayen und Mendig.

Der Weg führt nun weiter durch Buchenwald, im Verlauf durch ein tief eingeschnittenes Tal steil hinunter bis zu „Helmut’s Eiche“ – wer immer auch Helmut war. Ein kleiner plätschernder Bach hat sich zuvor aus einem leisen Rinnsaal oben am Talschluss parallel zum Weg gebildet und begleitet die Wanderer auch bis zur Abzweigung. Hier geht es jetzt kurz auf einen Pfad hinauf zur Doppelburg Thurant mit einst zwei Burgfrieden. Man kommt unvermutet nach einer Biegung auf den Bergsattel und hat dann den traumhaften Blick von der Burg hinunter ins Moseltal und Alken.

Doch die den Namen gebenden „Bleidenberger Ausblicke“ sind das noch nicht. Zunächst geht es jetzt in engen Serpentinen und teilweise in den Schiefer geschlagenen Stufen steil hinab zur St. Michael-Kapelle aus dem 11. Jahrhundert von Alken. Unmittelbar vor den Stufen weiter hinab in den Weinort ist am Kirchlein sogar ein „Beinhaus“ hinter Gittern zu sehen.

Blick vom Bleidenberg auf Burg Thurant und die Mosel

„Bleidenberg“ steht da schon länger im Hang gegenüber in weißen Buchstaben. Eng führt ein Pfad schräg steil hinauf, offenbar vorbei an einer Art weiß gekälkten Kreuzweghäuschen. Ziel ist die mittelalterliche Bleidenberger Wallfahrtskirche aus dem 13. Jahrhundert oben auf der Höhe – ein in diesem Moment noch fernes Ziel.

Station auf dem „Sieben-Fussfälle-Pfad“.

Denn davor steht der „Sieben-Fussfälle-Steig“: Sieben Stationshäuschen mit Sandsteinreliefs, offenbar im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts von Alkener Familien errichtet, sind zu passieren Bei feuchtem Untergrund sind Fels- und Schiefergeröll rutschig, gutes Schuhwerk ist zu empfehlen.

„Die „Sieben Fußfälle“ ist die älteste Form des Kreuzweges, die von Pilgern in Jerusalem in das Rheinland übernommen wurde, sie stellt einen Bittgang durch das Dorf oder die Felder dar, wobei man an sieben Wegkreuzen, Heiligenhäuschen oder kleinen Kapellen, den sogenannten Fußfällen, betend an jeder Station dem leidvollen Weg Christi in Jerusalem gedachte . In vielen Orten im Rheinland wurden im 18. Jahrhundert Kreuzwege in Form von Bildstöcken oder Passionsbildern errichtet.“ (Outdoor Active)

Magnolienblüte in Oberfell.

Oben angekommen ist das Panorama atemberaubend: Auf die Mosel, die Burg Thurant, dazwischen das enge Tal mit dem schon von den Römern angelegten alten Handelsweg zur „Pfaffenheck“, davor Alken mit St. Michael. Auch hier oben haben die Veranstalter der „Traumpfade“ eine XXL-Liege aufgestellt. Bei schönem Wetter empfiehlt sich eine ausgiebige Pause.

Danach geht es entspannt auf Pfaden, immer wieder mit Ausblicken ins Moseltal, zuletzt in engen Serpentinen hinab nach Oberfell. Gut vier Stunden nach der Ouvertüre mit der steilen Rampe hinauf kommt man jetzt wieder unten an: Ein Rundweg in die Magnolien- und Forsythienblüte bei strahlend blauem Himmel. Traumhaft.
(22.03.2020)

Titelbild: Im „Sieben-Fussfälle-Pfad“.