Oktoberwege

Zwischen dem 21. und dem 26. war der Oktober besonders „golden“. Also machte sich Eifelschreiber auf den Weg: Zu drei „Traumpfaden“, wo es gelegentlich wirklich traumhaft ist, und dahin, wo, wie es heißt, nicht mehr weiß, dass er da war, wenn er mal da war: an der Ahr.

Der „Koberner Burgpfad“

Knapp sechs Stunden dauert der „Traumpfad Koberner Burgpfad“, und ja: Nix für Anfänger. Weniger aufgrund von Passagen, die Trittsicherheit erfordern, sondern wegen des munteren Auf und Abs. Man denkt, jetzt ist aber gut – schwupps schon der nächste knackige Anstieg. Aber die Mühen lohnen sich. Das erste Drittel wirklich ein Traumpfad: Zunächst auf einem schmalen Pfad am Hang oberhalb von Kobern, dann durch das Keverbachtal – versunken wirkend mit einem alten Erlenwald. Das Mittelstück führt über Felder rauf und runter – Ausläufer des fruchtbaren Maifeldes – ein Abstecher zum keltischen Goloring für Fans – dann geht es wieder in den Hochwald. Entlang des Damms oberhalb eines verlandeten Schlammsees durch Birkenwald. Ebenfalls traumhaft.

Die letzten eineinhalb Stunden führen zum „Finale“, das den Namen verdient erst zur Oberburg mit der spätmittelalterlichen Matthiaskapelle, dann, vorbei an einem etwas spacigen Kreuzweg in großen Lavasteinhöhlen, über die Niederburg und wieder hinunter nach Kobern. Wer’s noch etwas steiler mag: Vom Steig zur Niederburg zweigt ein Steig durch den Weinberg ab, auf alten Schieferstufen direkt hinab in den Ort. Fazit: Erlebenswert!

Der „Schwalberstieg“

Nach dem wunderbaren „Koberner Burgpfad“ startet auch dieser „Traumpfad“ an der Untermosel, genauer auf der Kobern-Gondorf gegenüberliegenden Seite in Niederfell. 13 Kilometer geht es über den „Schwalberstieg“ zu über 60 Prozent bergauf, in diesem Fall lohnt sich vorher der Blick auf das Streckenprofil. Das Tal des Aspelter Baches entlang ist zunächst gut 40 Minutenlang die Idylle vollkommen: Waldstille, der Bach gluckert munter mäandernd hinab, unter quer liegenden Bäumen, Ästen, ab und an wechselt man die Bachseite über dicke Bohlenbretter.

Erst beim Talausstieg Richtung des auf einem kleinen Plateau stehenden Schwalberhofs wird die akustische Kulisse „anders“. Kuhglockengeläut von der Weide am Hang nebenan, man denkt, man ist in den Bergen. Dann allerdings, ebenso unvermutet, der deutlich vernehmbare Verkehr auf der A61, die so weit nicht entfernt ist. Dieses „Rauschen“ kommt für die nächsten eineinhalb Stunden in ähnlichen Situationen immer wieder zurück. Über die Röder-Kapelle, die 1912 als Vermächtnis eines Niederfeller Bauern, der sich „in einer Notlage umgebracht hatte“, so eine Plakette am kleinen Gotteshaus, erstmals erbaut wurde – nach Kriegszerstörungen 1954 neu errichtet – führt der Weg aufs Mosel-Plateau. Hat man klares Wetter blickt man bis in die Höhen der Osteifel. Leider aber: Nebel. Später von der Hitzlay war der Blick ins Moseltal und Staustufe und Schleuse bei Lehmen frei. Und dann geht es schon bald steil hinab auf schmalem Pfad am Felshang zurück zum Start.
Fazit: Als „Traumpfad“ vielleicht etwas überbewertet, aber vier Stunden viel Wald, idyllische Bachtäler und Moselpanorama.

Der „Pyrmonter Felsensteig“

2015 war dieser „Steig“ Deutschlands „Wanderweg des Jahres“. Zu recht – oder nur ein Marketinggag? Der Start ist spektakulär: Hoch zur Burg Pyrmont, dann über einen breiten Felsenpfad ins idyllische Wahlbachtal und zur Pyrmonter Mühle unterhalb der Burg an den kräftig sprudelnden Wasserfällen des Elzbaches.

Eine tolle Ouvertüre, doch dann folgt leider eine gewisse Ernüchterung im Mittelteil der Strecke. Von den „Drei Kreuzen“ oberhalb der Pyrmonter Mühle – sie wurden 1652 errichtet aus Dankbarkeit für das Ende des 30-Jährigen Krieges – geht es steil bergan, dann weiter hoch zum Aussichtspunkt Sammetzkopf. Der Weg hierhin führt schlicht schnurgerade durch die Felder. Das wirkt uninspiriert – ein Schlenker zum Aussichtspunkt unnötig. Dafür ist der Ausblick von 341 MüN bis ins Maifeld und nach Münstermaifeld oder zu den Vulkanbergen der Osteifel wirklich lohnend. Was dann folgt rechtfertigt aber ein dickes Lob an die Routenplaner.

Ein steiler Abstieg führt schnell wieder hinab ins Elzbachtal, das hier wild und schroff eingeschnitten ist mit mächtigen, dicht bewaldeten steilen Hängen an den engen Biegungen des Bachlaufs – ein wunderbarer Anblick. Der Felsensteig, der hier seien Namen verdient, führt ganz hinab entlang des breit und schnell fließenden Baches und unvermittelt wieder hinauf, eng an den Felsen etwa zur „Teufelskammer“, einem schroff ins Tal ragenden kleinen Plateau. Schließlich endet diese traumhafte Passage wieder an der Pyrmonter Mühle.
Fazit: Ein „Wanderweg des Jahres“ ist vielleicht etwas dicke – aber ein sehr schöner Wanderweg ist der „Pyrmonter Felsensteig“ allemal.

Der „Rotweinwanderweg“

Wer an einem Samstag bei schönstem Altweibersommerwetter den bekannten Rotweinwanderweg (RWW) geht – hier von Walporzheim nach Altenahr -, ist selber schuld. Könnte man sagen. Diese rund 17 Kilometer lange Tour ist ein Kontrastprogramm zu den drei „Traumpfaden“ zuvor. Das ist schon vor dem Start klar, wenn man sich im Schritttempo mit dem PKW den Weg durch den Trubel des weinfestseligen Altenahr Richtung Walporzheim bahnen muss. Tipp: Die zuverlässige Ahrtalbahn nutzen, der Fahrpreis für die hier gewählte Strecke: 3,90 Euro!

Und dann kommt es über gut fünf Stunden immer wieder zu einer Art Milieustudie statt eines Naturerlebnisses – dabei ist das Ahrtal so schön wild, ursprünglich und gerade jetzt farbenfroh!
Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein schallt es von jenseits der nächsten Biegung oberhalb von Dernau. Diese Mädelsclique hat eben Deutsche Schlager zur Stimmungssteigerung neben dem nötigen „Flüssigen“ dabei – wenn es dessen noch bedurft hätte. Merke: Der RWW ist am Wochenende Mädelstag-Wanderstrecke! Wer den RWW wählt, hat aber auch meistens zur eigentlichen, mit einem roten Traubensymbol mehr oder weniger zuverlässig markierten überlaufenen Hauptroute, Alternativen.

Auf unterschiedlichen Ebenen führen die Trassen durch die Weinberge auf der nordöstlichen Seite des Ahrtals. Es handelt sich um Wirtschaftswege für die Winzer, die bis in Höhe von Dernau allesamt asphaltiert sind. Für die Fußgelenke im Wanderschuh nicht unbedingt optimal. Eifelschreiber empfiehlt dann auf das kleine Logo der „Saffenburg Runde“ zu achten, die schnell von den Hauptrouten hoch über die Weinberge zu Aussichtspunkten auf Felsplateaus hinüber zur Burgruine und Mayschoß führt. Für eine gute Wanderstunde eine schöne Alternative, bevor es wieder auf den RWW in Richtung Altenahr geht. Unterwegs laden immer wieder Weinstände zu einer Pause ein. Bis zu 100 Rotwein-und Wanderfreunde nutzen die Gelegenheit – entsprechend heiter bis lärmig ist die Stimmung. Aber um was geht es auf dem Rotweinwanderweg an einem herrlichen Altweibersommertag?


INFO:
traumpfade.info

Titelbild: Die Pyrmonter Mühle an den Elzbachwasserfällen mit der Burg Pyrmont im Hintergrund (Traumpfad Pyrmonter Burgsteig).