Der Krimiautor und die Eifel

Ralf Kramp, bekannter Eifelkrimiautor und Verleger, ist gebürtiger Euskirchener. Da würde man nicht automatisch von sich sagen, dass man Eifeler ist. Ralf Kramp schon. Er fühlt sich so. Wie konnte das passieren?

Als er 33 Jahre alt war, kam es zu einigen bemerkenswerten Dingen in dem an bemerkenswerten Dingen nicht gerade armen Leben von Ralf Kramp. Der erste Eifelkrimi erschien -von einem gebürtigen Euskirchener: „Tief unterm Laub“. Dafür bekam er zweitens gleich den Preis des Eifeler Literatur Festivals, drittens aber fuhr er zu einer Lesung von Schwerfen, wo er damals lebte, nach Trier. Und das mitten durch die Eifel.

„Ja, das war das erste Mal“, erinnert sich Ralf Kramp, Man beachte die ganz leichte amouröse Andeutung. Er sitzt im „Café Sherlock“, hat sich gerade einen Tee bestellt, der hier „Fünf Uhr Tod“ heißt, und wirkt im Tweed Anzug gerade ausgesprochen soigniert.

Man muss diese Premiere 1996 ja nicht überbewerten. Etwas Symbolisches hatte sie aber doch. Denn die Eifel ist dem heute 55-Jährigen seitdem immer wieder und zunehmend persönlicher begegnet. Eine Annäherung in Etappen, die privat im cottageartigen Haus im Mini-Dorf Üxheim-Flesten endet, wo Kramp seit elf Jahren mit seiner zweiten Frau Monika, einer gebürtigen Daunerin, lebt.

„Tief unterm Laub“ – der erste Eifelkrimi von Ralf Kramp.

Dass es so weit kommen würde, konnte Ralf Kramp nicht ahnen, als dem jungen Mann der Euskirchener Maler Willy Loos seine Sammlung von Federzeichnungen hunderter Eifeldörfer zeigte. „Aber ich fand das eine wunderbare Idee: Alle Eifeldörfer zu besuchen!“ War da in seinem Gefühlsleben schon mehr passiert?

In die Eifel hinein, statt nur hindurch, kam er, als die Freundschaft mit Jacques Berndorf begann, der den Eifel-Krimi im Prinzip erfunden hat. Michael Preute, wie der Autor mit bürgerlichem Namen heißt, war in die Vulkaneifel gezogen, um zu bleiben. Ralf Kramp wusste nicht, dass es ihm einmal ähnlich ergehen würde.

Die „Mord-und-Totschlag-Eifel“ hat er miterfunden.

Doch dann fügte sich Eins zum Anderen. Kramps schwarz-humorige Kriminalgeschichten und die „Herbie-Feldmann“-Kriminalromane (Bibliogafie auf Wikipedia), die ihre Pointen seinem Talent der Zuspitzung des gelernten Karikaturisten verdanken, spielen in der Eifel. Und sie fanden nicht nur hier schnell ein Publikum.

In Daun lernte er seine Monika kennen, in Hillesheim fand sein KBV-Verlag mit dem „Kriminalhaus“, seit 2013 an neuer Adresse, das ideale Domizil: Die Buchhandlung „Lesezeichen“ mir dem „Krimi-Kabinett“, die Monika Kramp leitet, das „Café Sherlock“, die Verlagsräume, das „Deutsche Krimiarchiv“, Deutschlands größte Sammlung von Kriminalliteratur mit über 30.000 Bänden – alles unter einem Dach.

Über Jahrzehnte zeichnete Kramp Karikaturen für die Eifel-Ausgabe des Kölner Stadt Anzeigers. Hier eine Arbeit vom 24./25. Juni 2000: „Hutausstellung Blankenheim: Modell ‚Ascot in der Eifel'“. „Hauptsache Hut“ hieß eine Ausstellung des Sammler-Ehepaars Zimmer-Berberich im Kreismuseum. Abbildung aus: „Strichweise Eifelig – Ralf Kramps Karikaturen aus zwanzig Jahren“, KBV-Verlag, Hillesheim, 2011. ISBN: 978-3-942446-36-5

Die „Mord-Eifel“ mit „Kriminalhaus“ und „Krimihotel“ in Hillesheim, das in diesem Jahr wieder stattfindende „Tatort Eifel“-Festival in Daun und der gesamten Vulkaneifel – das ist alles bundesweit bekannt geworden. Ein  Alleinstellungsmerkmal für den Tourismus der Region.

Ralf Kramp spielte dabei ein zentrale Rolle. Damit brüsten würde er sich nicht. „Die Eifel hat es mir aber auch leicht gemacht“, versucht er stattdessen zu relativieren: „Ich  spreche den ripuarischen Dialekt, meine Leserinnen und Leser und ich als Autor sind auf Augenhöhe. Wir verstehen uns!“

„Meine Morde sind eher hausbacken“

Weil Kramps Morde vielleicht auch – es ist seinem Mutterwitz, feiner Ironie und überzeugter Liebe zu den Figuren seiner Romane und Kurzgeschichten geschuldet – „eher hausbacken“ sind. Was es an Tatwerkzeugen braucht, das finde sich bei ihm eben „fast alles im gut sortierten Haushalt der Eifelerin“. Einerseits Mittel für Schwerverbrechen – andererseits die einzige „Irritation“ im Alltag der Eifeler in seinen Krimis. Das ist tröstlich.

Mit dem bekannten Eifeler Mundartautor, Journalisten und Diakon Manfred Lang verbindet Ralf Kramp eine lange Freundschaft. Zusammen mit Günter Hochgürtel – Frontmann der Band „Wibbelstetz “ – sind sie als kabarettistische „Eifel-Gäng“ unterwegs.

Die Leserschaft, die Zuhörer bei den an die 100 Lesungen und Veranstaltungen pro Jahr, zu denen Kramp in der Region und in ganz Deutschland gebucht wird, mögen diese Mischung. Die Potenz der guten Unterhaltung mit Hintersinn sind die Auftritte in der „Eifel-Gäng“ mit den Seelenverwandten Mani Lang und Günter Hochgürtel.

Jetzt lebt er schon lange in der Eifel, doch heraus aus der Region geht es für seinen Verlag, der in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen feiert, ebenfalls immer wieder. Etwa zur  Leipziger – und Frankfurter Buchmesse. Dann vertritt Ralf Kamp die Eifel als der Verlag, der die meisten Krimiautorinnen und -autoren über die Region in seinem Sortiment führt.

Als er mit seiner Monika am 19. Mai des vergangenen Jahres auf den Wiesen vor Schloss Windsor mit Tausenden anderen „Royalisten“ begeistert den frisch getrauten Prinz Harry und Meghan Markle bei der Kutschenvorbeifahrt mit dem „Union Jack“-Fähnchen zuwinkte, spielte das alles keine Rolle.

Zum „Brexit“ möchte der England-Fan und Zuneigungs-Royalist lieber taktvoll schweigen.

Denn England, vor allem der idyllische Süden und Südwesten – da muss die Eifel jetzt stark sein – ist ja seine zweite große Liebe. „Schon als Junge habe ich die Jugendkrimis von Enid Blyton, dann Agatha Christie gelesen“, so Kramp. Die große alte Dame des angelsächsischen Kriminalromans, auch Sir Arthur Conan Doyle, Erfinder des berühmten Ermittlers Sherlock Holmes, sind einige seiner kriminalliterarischen Vorbilder.

Jährlich fahren die beiden aus Flesten auf die Insel. Sie mögen das Traditionsbewusstsein und die Spleens der Briten. Ob der „Brexit“ vielleicht auch die größte britische Verrücktheit ist – dazu sagt der Mann im Tweed Anzug beim „Fünf-Uhr-Tod“ taktvoll lieber nichts.

Immer kehrt Ralf Kramp am Ende seiner Reisen aber in den Landstrich zurück, der ihn über die Jahre nach und nach freundlich übernommen hat. Er fühle sich mittlerweile als „echter Eifeler“, gibt Kramp zu. Das, so viel steht fest, würde normalerweise ein Euskirchener wohl so schnell nicht von sich behaupten.